Wenn Mühlen schneller denken als Müller
Warum Künstliche Intelligenz in der Mühle mehr ist als ein Hype
Vortragssaal in Oklahoma City bei der IAOM 2ß25
Bild von: IAOM
Von der Schaltanlage zum neuronalen Netzwerk – selten wurde ein technisches Thema so lebendig auf einem Müllertreffen präsentiert wie von Liam Cassidy, Director of Automation bei Knobelsdorff, USA. Wer sich bei seinem Vortrag zur KI in Mühlen auf ein trockenes Technik-Update eingestellt hatte, wurde einer Besseren belehrt.
KI-Zusammenfassung
- Liam Cassidy sieht KI als grundlegenden Wandel für die Mühlenindustrie: Betriebe, die Automatisierung und KI ignorieren, riskieren den Anschluss zu verlieren.
- Vernetzte Maschinen und Sensoren liefern bereits die Datengrundlage für KI-Anwendungen wie vorausschauende Wartung, Prozessoptimierung und weniger ungeplante Stillstände.
- KI kann Betriebswissen bündeln, etwa Wartungsprotokolle und Handbücher verknüpfen und Mitarbeitenden schnelle, praxisnahe Hilfestellung geben.
- Voraussetzung für verlässliche Ergebnisse sind saubere Daten, vernetzte Systeme und gut dokumentierte Prozesse; KI beseitigt kein organisatorisches Chaos.
- Cassidy empfiehlt, klein mit konkreten Problemen zu beginnen, Erfolge zu messen und Mitarbeitende zu schulen – KI soll Menschen unterstützen, nicht ersetzen.
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Mit einer Prise britischem Humor – Liam Cassidy stammt ursprünglich aus England und lebt seit über einem Jahrzehnt in Minnesota – schaffte er es, sein Publikum zum Lachen, Staunen und Mitdenken zu bringen. Er wollte auf dem Treffen der International Association of Operative Millers (IAOM) in Oklahoma City mit seinem Vortrag „AI and the Future of Automation in Milling“ seine Erfahrungen aus der Automatisierung mit den Entwicklungen rund um die KI verbinden.
Hype oder Realität
Sein Vortrag solle inspirieren und so nahm er seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Automatisierung. Er begann mit Start- und Stop-Anwendungen der 1990er Jahre, als Schaltschränke noch fast vollständig manuell liefen und es nur wenige Sensoren gab. Anfang des neuen Jahrtausends kamen die Produktionsleitsysteme dazu. Müller begannen Daten auszuwerten und Prozesse besser zu steuern.
Ab 2015 ging der Hype los rund um Digitalisierung und das Internet der Dinge (IoT). In wenigen Jahren nahm die Automatisierung enorm an Fahrt auf. Dennoch überlebten viele Mühlen auch ohne. Heute ginge das nicht mehr. Cassidys These lautet: Wer heute nicht automatisiert, wer sich nicht mit KI auseinandersetzt, der wird ganz sicher abgehängt.
Draufgänger sollten sich aber bremsen, denn taucht eine neue Technik auf, sind erstmal viele begeistert. Um 2016 hieß es: „Wir müssen alle Daten der Sensoren mit der Cloud verbinden!“ Also wurden Unmengen an Daten gesammelt, obwohl kaum jemand wusste, wie man diese alle nutzen kann. Die Euphorie wich der Ernüchterung und erst danach setzten sich sinnvolle Anwendungen…
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